FAIRPLAY POKERCLUB E.V.

Poker Strategie

Die optimale Strategie bei Poker Turnieren ?!

Gibt es eine Grundstrategie?

 



Überleben – Überleben – Überleben

UTG+1 raised und wir callen am Button mit KJo . Flop bringt KQ5r . UTG+1 macht eine Continuation-Bet und wir callen. Turn bringt eine 6 die das Board nicht sonderlich verändert. UTG+1 bettet nocheinmal und wir callen wieder. River bringt eine 2. UTG+1 setzt uns All-in, wir callen. Er zeigt KQ, wir stehen auf und flüchten an die Bar. Ich möchte hier nicht darauf eingehen wie man die Hand hätte besser spielen sollen oder ob man die Hand hätte überhaupt spielen sollen. Ich möchte lediglich damit zeigen, dass man sobald man eine Hand spielt Gefahr droht aus dem Turnier auszuscheiden.

Besonders in der ersten Turnierphase sollte man unnötiges Risiko vermeiden. Sobald sich das Feld verkleinert und die Blinds steigen wird man sowieso nicht darum herumkommen Risiken einzugehen (Bluffs, Coinflips, ...).


In order to live, you must be willing to die! (Amir Vahedi)

Es nützt auch nichts möglichst lange überleben zu wollen und dementsprechend passiv zu spielen um dann von den immer höher werdenden Blinds und Antes erdrückt zu werden. Um überleben zu können muss man Chips akkumulieren und das bedeutet Risiken einzugehen, auch wenn es das Turnier kosten könnte. Überleben ist das Ziel, aber um überleben zu können muss man bereit sein "zu sterben".

Bsp.:
- Semibluff All-in Raise mit Draw am Flop oder Turn
- Preflop resteal All-in-Raise aus den Blinds gegen CO- oder BU-Opener
- Shortstacked preflop All-in mit semischwacher Hand von später Position



Spiele auf Sieg

In die Preisränge zu kommen ist natürlich schon ein Erfolg, aber das große Geld gibt es nur auf den vorderen Plätzen.

Bsp.:
in einem Casino


Buy-in: 500+25€


3000 Teilnehmer
480 Plätze bezahlt

480ter: 600€
100ter: 2.100€
9ter: 12.000€
1ter: 260.000€


Viele Spieler bemühen sich vor allem in die Preisränge zu kommen und spielen dementsprechend passiv. Das gelingt dann zwar auch relativ häufig, jedoch haben sie dann in der Regel sehr wenig Chips und es bleibt sehr wenig Raum. Ein verlorener Coinflip, ein Bad Beat oder einfach nur die hohen Blinds reichen aus um sie aus dem Turnier zu befördern. Ziel wäre es so viele Chips anzusammeln, sodass man kalkulierte Risiken eingehen kann ohne gleich aus dem Turnier auszuscheiden.

Bsp.: Wir halten AK und raisen aus mittlerer Position. Der Button reraised All-in und mit AK ist das für uns in der Regel ein klarer Call mit oftmals einem Coinflip gegen JJ,QQ, ... Mit wenigen Chips steht hier unser Turnierleben auf dem Spiel und wir legen es in die Hand der meist unbarmherzigen Pokergötter. Mit einem größeren Chipstack suchen wir nach solchen Situationen, da wir nicht befürchten müssen aus dem Turnier auszuscheiden und wir hier weiter Chips einsammeln können und müssen.

Wenn wir uns die oben angeführte Preisstruktur betrachten sehen wir, dass diese besonders auf den vorderen Plätzen stark exponentiell ansteigt. Ob ich als 300ter ausscheide oder als 80ter macht finanziell "keinen" großen Unterschied. Ob ich aber 9ter werde oder das Turnier gewinne macht einen enormen Unterschied. Dahin werde ich aber nur kommen wenn ich aggressiv spiele und selektive (nicht dumme) Risiken eingehe.



Worauf sollte ich achten?

Geduld, Selbstdisziplin und Fokus

"Verdammt, schon wieder 83o ausgeteilt bekommen! Langsam verliere ich die Geduld. Außerdem wird das ganze ziemlich langweilig."

Wer hat diesen Gedanken nicht schon einmal gehabt. Es gibt einfach Phasen, wo die Karten nicht so kommen wie wir es uns wünschen. Hier gilt es selbstdiszipliniert und geduldig zu sein. Selbstdisziplin ist eine äußerst wichtige Tugend beim Poker. Während solcher Situationen haben wir aber auch genügend Zeit unsere Gegner zu beobachten. Nur weil wir nicht in die Hand involviert sind, bedeutet das nicht, dass wir nicht nützliche Informationen gewinnen können. Besonders die Spielweise der Spieler unmittelbar zu unserer Rechten und zu unserer Linken solltest wir näher "studieren", da wir mit diesen am öftesten in Hände verwickelt sein werden.


Informationen denen wir Beachtung schenken sollten:

Wie viele Hände spielen meine Gegner?
Spielen sie aggressiv oder eher passiv (Raiser oder Caller)?
Welche Hände kommen zum Showdown? Wie spielen sie einen Draw? Wie spielen sie Top Pair? ...
Wie reagieren sie auf einen Re-Raise? Geben sie leicht auf oder callen sie sehr loose?

Also beobachte deine Gegner! Auch beim Online-Poker ist es verführerisch nebenbei fernzusehen, zu chatten, Mails zu checken ... So gehen dir jedoch wertvolle Informationen verloren.


Anpassungsfähigkeit

Je genauer du den Tisch beobachtest, desto besser kannst du dich an den Spielstil deiner Mitspieler anpassen. Du solltest aber auch auf besondere Situationen achtgeben bzw. den "Float" im Spiel sehr genau beobachten.

Hat ein Mitspieler soeben einen großen Pot gewonnen?
Wurde ein Mitspieler bei einem großen Bluff erwischt?
Ist ein neuer Spieler am Tisch?
Wann werden die Blinds erhöht?
Befinden wir uns in der "Bubble" (kurz vor den Geldrängen)?
Wann beginnt die Pause?


Selektive Aggression

Wie bereits erwähnt ist eine aggressive Spielweise sehr wichtig. Aggressiv bedeutet aber nicht jeden Pot zu bluffen sondern wirklich selektiv vorzugehen. Viele Spieler verfolgen die Taktik besonders jene Spieler mit wenigen Chips anzugreifen. Im ersten Moment klingt das einleuchtend. Bei näherer Überlegung jedoch sind gerade dies die Spieler die sich am ehesten auf ein "Duell" einlassen, da sie sowieso schon verzweifelt sind und ihren Stack dringend aufbessern müssen. Besser ist es die Spieler mit mittlerem Stack anzugreifen, denen wir beträchtlichen Schaden zufügen können und die es sich zweimal überlegen ob sie ihr Turnierleben in einigermaßen marginalen Situationen aufs Spiel setzen wollen, obwohl sie noch genügend Raum und Zeit hätten.


Bets / Raises

Versuche Bets und Raises so zu gestalten, dass du auf der einen Seite möglichst großen "Value" mit einer guten Hand gewinnst bzw. auf der anderen Seite möglichst effektiv Bluffen kannst. Warum soll ich in einen Pot von 1000 Chips mit einer 1000 Chips Potsizebet bluffen wenn auch 500 Chips das gleiche Ergebnis bringen. Die besten Turnierspieler haben ein sehr gutes Gefühl dafür entwickelt. Generell sind die Betsizes kleiner als im Cashgame da auch das Verhältnis Blinds zu Stack kleiner ist und man möglichst effektiv mit seinen Chips haushalten muss.


Kenne dein Image

Viele Spieler passen sich schlecht oder langsam bzw. nicht sehr effektiv an den Spielstil ihrer Gegner an, jedoch steht außer Frage, dass sie sich anpassen. Also sei dir immer bewusst welchen Eindruck deine Gegner von dir haben. Hast du die letzten drei Hände geraised und den Pot preflop oder am Flop ohne Showdown gewonnen, verzichte darauf T8s aus dem CO zu raisen. Je öfter du innerhalb eines kurzen Zeitraumes einen Pot ohne Showdown gewinnst desto schlechter wird dein "Table Image" und desto geringer wird deine "Fold Equity".



Die Kunst des Bluffens

Wann sollte ich nicht bluffen?

Bluffe keine schlechten Spieler die zu neugierig sind, zu viel callen und sich keine Gedanken über die Karten ihrer Gegner machen und nur ihre eigenes Blatt sehen!
Vermeide Bluffs gegen mehrere Spieler!
Vermeide es zu bluffen wenn du ein schlechtes "Table Image" hast.


Wann sollte ich bluffen?

Versuche nur zu bluffen wenn du dir sicher bist, dass dein Gegner auch dazu in der Lage ist eine Hand aufzugeben (never bluff a donk).
Spiele das Board bzw. die Hand deines Gegners. Achte darauf ob sich am Board etwas ändert, ob es gefährlicher wird (Scare Card, Flush,......).

Beispiel für einen (Semi)-Bluff:

CO raised, Hero called am Button mit 6h7h.
Flop: 8s 9s Kh
CO macht eine typische Continuation Bet.
Dieser Flop bietet ist ideal für einen Semi-Bluff Raise mit folgendem Hintergedanken:
Sehr oft wird der Pot hier gleich am Flop gewonnen. Falls CO trotz unseres raises called haben wir erstens die Chance unsere Straße am Turn zu treffen und zweitens die Möglichkeit bei einer weiteren Pik den Flush zu bluffen.
Turn: 3s
CO checks, Hero bets Pot, CO folds



Inflection Points

Dan Harington hat in seiner hervoragenden Buchserie "Harrington on Holdem" den Begriff der sogenannten "Infelction Points" im Turnierpoker eingeführt. Im Grunde genommen geht es um das Verhältnis unseres Stacks zu den momentan Blinds und Antes und die daraus resultierende geänderte Turnierstrategie. Darauf wird in einem der nächsten Artikel noch näher eingegangen. Dan Harringtons Bücher sind auf alle Fälle jedem der sich etwas näher mit Turnierpoker beschäftigen möchte ans Herz zu legen.

Bsp.:
MP raised, Hero am Button mit 4h4s

Blinds 25/50, Stack 5500: normalerweise call for set value
Blinds 200/400, Stack 4500: fold oder push all-in (niemals call)

 

Multi Table Turnier-Strategie

 

 

+ Besonderheiten des Multi Table Turniers

Ein Turnierprofi sagte einmal, dass man im Turnier einen Zahnstocher setzt, um einen Baumstamm zu gewinnen. Das hört sich gut an, denn die Gefahr, viel Geld zu verlieren ist nicht sehr groß. Der Einsatz ist vorher bereits entrichtet und mehr kann man nicht verlieren (außer bei Rebuy-Turnieren). Der Glücksfaktor bei Turnieren ist höher als bei jeder anderen Pokerart, dennoch ist eine solide Strategie ein absolutes Muß, damit nicht passiert, dass die Anzahl der eingesetzten Zahnstocher mehr werden als jeder Baumstamm, der gewonnen werden kann.

Eine weitere Besonderheit bei großen Multi Table Turnieren ist, dass nur etwa 20% der Spieler als Gewinner aussteigen. Das heisst andererseits, dass 4 von 5 Spielern leer ausgehen. Die sicheren Verlierer sind besonders jene Spieler, die sich nicht bewusst sind, dass ein großes Turnier viele Stunden dauern kann, dass es die unterschiedlichsten Turnierphasen gibt und die Strategie sich mit der Zeit immer ändert. So haben typische Cashgame Spieler ihre Probleme, wenn sie einmal an einem Turnier teilnehmen, die Beständigkeit des Cashgames ist im Multi Table Turnier nicht gegeben. Jeder, der an einem großen Turnier teilnimmt, muss damit rechnen, stundenlang konzentriert zu bleiben, und sich nicht ärgern, wenn er nach ein paar Stunden dennoch leer ausgeht. Dafür winken unglaublich hohe Summen, wenn man es nach oben schafft.

Je länger das Turnier dauert, desto mehr wächst der Druck auf die Spieler, die Blinds werden einmal so hoch sein, dass keine richtigen Spielzüge mehr durchgeführt werden können. Der gute Turnierspieler passt sich hier perfekt an, er ist der unauffälligste Spieler in der Anfangsphase und unter Umständen der größte Aggressor in der späten Phase. Die Grundstrategie beim Turnier heisst schlicht: so lange wie möglich überleben. Anders ausgedrückt: wer vor dem Turnier sagt, er will das Turnier gewinnen, wird nach 30 Minuten ausgeschieden sein, denn sich so ein Ziel bei einem großen Turnier zu setzen ist schlicht unmöglich. Aber es ist selbstverständlich möglich, langfristig Plus zu machen, wenn man die Phasen des Turniers kennt und so auf Dauer öfter in den Preisrängen landet.

Kann man Turniere gut spielen? Diese Frage ist interessant, denn in einer späten Phase des Turniers gibt es fast nur mehr All-Ins, also viel vom Glück abhängig. Dennoch: wer oft in diese Turnierphase kommt, wird auch oft die Moneys erreichen. Und gut spielen heisst geduldig spielen und gleichzeitig aggressiv, wenn es notwendig ist.

 

+ Der Turnierablauf

 

 

Man darf sich nicht blenden lassen von den TV-Zusammenschnitten der riesigen Turniere. Dort werden nur die Situationen gezeigt, die einen TV-Zuschauer interessieren könnten, also Action und All-In Situationen, Bluffs und so weiter. Nicht gezeigt wird, wie ein Spieler vielleicht eine Stunde lang überhaupt nicht mitspielt.

Bei großen Multi Tisch Turnieren scheiden nach einer Stunden oft schon 30% der Spieler aus. Das sind diejenigen, die in der Anfangsphase "normal" spielen wollen. Dem guten Spieler interessiert die Action in der ersten Stunde sehr wenig. Man hat so viel Zeit, auf gute Hands und gute Gelegenheiten zu warten, dass Karten wie z.B. JJ absolut uninteressant sind.

Die Kartenwerte sind also sehr schwankend. Den größten Fehler, den man machen kann, ist also in der frühen Turnierphase oft mitzuspielen. Man kann ja auch oft beobachten, dass zu Tuurnierbeginn der Gewinner eines All-Ins meistens wirklich nur AA oder KK hält und damit einen Spieler mit AJ oder TT schlägt. Später sind die Hands nicht mehr so entscheidend, sondern die Chips und gegen wen man aggressiv vorgeht. In der frühen Turnierphase interessieren also NUR die Top-Hands, Erhöhungen wirken ausserdem nicht so stark, denn die Blinds sind und bleiben eine Zeit lang sehr niedrig, dass Aussteigen leicht gemacht wird. Überspitzt formuliert: In der ersten Stunde des Turniers kann man also noch die Kinder ins Bett bringen, Zigaretten holen, zu Abend essen... hat man die erste Stunde einfach nur halbwegs gesund überstanden, steigen die Chancen, weit zu kommen.

Aber nach einer gewissen Zeit erreicht das Turnier eine Phase, in der man auch agieren muss, und das sehr aggressiv. Die Blinds werden immer höher, das bedeutet, dass es immer wichtiger wird, sie zu gewinnen - denn wer nicht auf die Blinds spielt, wird von den Blinds aufgefressen! In der Halbzeit-Phase des Turniers beginnt eine neue strategische Ausrichtung: man spielt keine Hands mehr, man spielt Chips. Immer noch ist das Ziel das Überleben, nur muss jetzt dafür etwas getan werden. Man wird wie gesagt vor allem die Blinds attackieren müssen. Und wenn man in die Runde einsteigt, dann mit nur mit Erhöhungen.

Immer besonders wachsam muss man auf den Stack (der Anzahl der Chips) der Gegner achten, besonders die ganz kleinen und ganz großen Stacks: die einen MÜSSEN mitgehen, die anderen KÖNNEN mitgehen. Daher werden in der späteren Phase des Turniers eher die mittleren Stacks angegriffen, denn diese werden noch am passivsten sein.

Gegen Ende des Turniers, kurz vor den Moneys ist das Spiel verkrampft. Das Spiel heisst jetzt Push or Fold, also All-In oder Aussteigen. In dieser Phase sind die ganz großen Stacks am gefährlichsten, die kleineren aber müssen nun entweder mit irgendeinem Müll All-In gehen oder aber in der Hoffnung aussteigen, dass andere kleine Stacks vor ihnen rausfliegen und sie noch die Moneys erreichen. In dieser Phase ist es wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass ein As im Vorteil gegen zwei Karten ohne As ist und jedes Paar wird im Vorteil sein gegen eine Hand, die kein Paar ist -mit einem kleineren Stack sind das die Standard All-In Situationen, mit einem großen Stack gute Druckmittel.

 

+ Der Stack als Maßstab

Wie man im Turnier wirklich steht, liegt am Verhältnis von der Anzahl der Chips und der Höhe der Blinds bzw. in einer früheren Phase auch der durchschnittlichen Anzahl der Chips aller Spieler. Wenn man sich am Average Stack, dem Durchschnitt aller Stacks der verbleibenden Spieler orientiert (das funktioniert in der Regel nicht mehr am Turnierende), dann kann die 50%-Marke eine gute Regel sein: das Ziel ist zu verdoppeln, wenn man nur mehr die Hälfte der Durchschnitts-Stacks, oder weniger hat. Wenn man ein durchschnittliches Stack hat, dann besteht noch lange die Möglichkeit, auf gute Gelegenheiten zu warten.

In der heißen Phase wird man jedoch jede Strategie am Verhältnis von Stack und Blinds ausrichten: Besteht der Stack aus über 20 Big Blinds, besteht kein Grund für zu viel Risiko. Bei 10-20 Big Blinds soll verdoppelt werden, Erhöhungen werden mit All-Ins beantwortet, aber die Hands sollen wertvoll sein.

Nur wenn man unter die Marke von 10 Big Blinds fällt, dann entsteht die Push-or-Fold Phase und jedes As, jeder King ist bereits ein All-In. Es gibt eigentlich drei verschiedene Arten von Gegner in der Push-or-Fold Phase: Spieler, die mitgehen müssen (die kleinen Stacks), dann Spieler die mitgehen können (die großen Stacks) und Spieler, die nicht mitgehen wollen (die mittleren Stacks). Letztere steigen am häufigsten aus, sie liegen nicht überragend, aber dennoch chancenreich im Turnier, ihnen tut es am meisten weh, wenn sie viele Chips verlieren.

 

Tisch Position im Poker

 

Viele Anfänger ignorieren oft eine der wichtigsten strategischen Themen im Poker, die Setzposition. Die Stärke der Hand wird aber von der Position maßgeblich beeinflusst.

Spieler, die noch nicht genau wissen, was Position bedeutet und wie wichtig sie in jeder Spielsituation ist, spielen oft intuitiv nach einer Art Konzept von Position, genauere Kenntnisse sind aber dennoch erforderlich, um auf die nächste Stufe als Pokerspieler zu gelangen.

Position bedeutet, wo ein Spieler in Bezug auf die Dealer-Position steht. Links vom Dealer zu sein bedeutet schwache Position, rechts vom Dealer ist eine starke Position.


Grundprinzip der Position:
Spieler, die rechts von dir sitzen, handeln immer vor dir. Spieler, die links von dir sitzen, nach dir. Je weniger Gegner du hast, die nach dir noch drankommen, desto besser ist deine Position.


Der Dealer-Button ist daher die stärkste Position am Tisch, da der Spieler am Dealer-Button immer als letzter setzen kann und sieht, wie jeder andere vor ihm gehandelt hat. Nur preflop sind die Blinds noch nach ihm dran, aber dann ist er immer der Letzte.

Viele Spieler unterschätzen, dass gute Hands in ihrem Wert schwanken, je nach der Position, von wo aus sie gespielt werden müssen. Hands wie 9-9 oder A-Q am Dealer-Button, wenn keiner oder vielleicht nur ein Spieler vorher ins Spiel gegangen ist, sind sehr stark. Diesselben Hands an der schlechtesten Position (wenn man immer als allererster handeln und entscheiden muss) sind viel weniger Wert, weil noch unklar ist, gegen wieviele Spieler man mit dieser Hand antreten muss bzw. wie teuer diese Hand werden kann. Eine Hand steigt also im Wert, je später die Position.

Man muss verstehen, dass starke Hands in früher Position schwächer sind und mittelmäßige Hands in später Position stärker werden. Dieses Wissen kann man dann auch gegen seine Gegner anwenden: Wenn ein eher konservativer Spieler aus der frühesten Position hoch setzt, kann man vermuten, dass er mit einer extrem starken Hand spielt und die eigene Hand muss dementsprechend gut sein, wenn man gegen ihn bestehen will. Andere Spieler attackieren z.B. regelmäßig die Blinds, wenn sie in später bzw. in der Dealer Position sind. Es bietet sich hier manchmal an, einen Re-Raise aus den Blinds zu bringen, da das Stehlen der Blinds selten mit wirklich guten Karten gespielt wird, sondern einfach nur wegen der Dominanz der guten Position.

Zusammenfassend gibt es zum Thema Position drei einfache Grundprinzipien, die immer gültig sind:

1 - In später oder letzter Position bekommt der Spieler eine viel bessere Vorstellung davon, wieviel es kosten wird, im Spiel zu bleiben.

2 - Je später die Position, desto besser wird die Hand zu spielen, je früher die Position desto schwächer wird die Hand.

3 - Späte Position bedeutet, viel über die anderen Spieler zu erfahren und ihre Hand besser einschätzen zu können. In letzter Position hat der Spieler die absolute Kontrolle über das Setzen, weil er immer das letzte Wort in der Spielrunde hat.

 

Bluffing - die große Versuchung

 

Kein Spielzug steht so sinnbildlich für das Pokern wie der Bluff. Poker ist ein Spiel, bei dem man fast nie etwas wissen kann, sondern versucht einzuschätzen, wo man mit seiner Hand steht.

Bluffing nutzt genau das aus, der bluffende Spieler repräsentiert eine starke Hand, was er tatsächlich hat ist nebensächlich. Die Mitspieler bekommen also falsche Informationen.

Bluffing kann als Bet, als Raise oder als Re-Raise gespielt werden. Egal, in welcher Situation, der Ziel eines Bluffs ist, dass die anderen Spieler dem Bluffer glauben, dass sein Einsatz gerechtfertigt ist. Daher funktioniert auch ein Bluff nur, wenn die Gegner davon abgeschreckt werden und den Einsatz ernst nehmen. Dafür sollte man den Überblick am Tisch über die Mitspieler haben. An den kleinen Limits spielen viele jede Hand bis zum Schluß durch und callen alles, ein Bluff wird hier seltener funktionieren. Auch wenn ein Spieler sich öfters als Bluffer enttarnen musste, dürfte nach mehreren Bluffs öfter gecallt werden als ein Spieler, der lange Zeit im Hintergrund bleibt und dann einmal einen Einsatz bringt. Die Glaubwürdigkeit eines Bluffs hängt also vom Bluffer selbst und von den Mitspielern ab, die aus Sicht des Bluffers die richtige Reaktion zeigen sollen.

Man kann auf verschiedene Arten bluffen. Der radikale Bluff ist, einfach mit absolut nichts zu setzen, als hätte man Premium Hands, zB mit 3-8 preflop raisen, oder bei einem gefährlichen Flop vortäuschen, man hätte gut getroffen. Andere Bluff-Arten sind der Semi-Bluff, wenn man noch Chancen auf die beste Hand hat, aber sofort vortäuscht, sie schon zu haben sowie der Continuation Bet, der am Flop gespielt wird, nachdem man zuvor preflop erhöht hatte.

Typisch für einen Continuation Bet ist, wenn ein Spieler mit A-K erhöht hat und -wenn er nur gecallt wird- am Flop setzt, egal ob er A oder K trifft. Dieser Spielzug ist wirkungsvoll. Denn preflop zeigt der Spieler Stärke, und das wiederholt er einfach am Flop. Die Mitspieler müssen immer damit rechnen, dass er den Flop getroffen hat oder mit hohem Pocket Pair spielt. Ziel des Conti Bet ist den Pot am Flop zu holen. Wird am Flop aber gecallt, so kann man am Turn weiter bluffen, wenn man den Eindruck hat, der Gegenspieler wartet auf Draws oder zeigt sonst irgendwelche Unsicherheiten.

Den Conti Bet gibt es noch in der versteckten Form. Hat man ihn schon oft angewandt und die Mitspieler haben das vielleicht schon registriert, dann kann der Flop gecheckt werden und am Turn wird so gespielt, als hätte man nun etwas getroffen. Wirkungsvoller ist er aber auf jeden Fall am Flop.

Der Continuation Bet ist meistens ein Semi-Bluff. Semi-Bluffing heisst einfach: ich habe jetzt noch überhaupt nichts, kann aber die Hand noch deutlich verbessern und deshalb setze ich bereits jetzt, um nicht checken zu müssen bzw. den Pot sofort zu gewinnen. Semi-Bluffs sieht man oft bei guten Draws.

Es zahlt sich manchmal aus, wenn man z.B. ein starkes Flush-Draw hat und anstatt checken oder callen selbst die Stärke demonstrieren. Man kann hier etwas davon ablenken, dass man auf das Draw spielt und hat die Initiative. Wird das Flush getroffen, so ist es für den Gegner nicht leicht zu durchschauen, wo er mit seinem z.B. Top Pair steht. Im Vergleich hätte ein check und dann, sobald man getroffen hat, zu betten viel mehr von der Hand verraten.

Streng genommen ist jede Preflop Erhöhung mit A-K auch ein Semi-Bluff, weil mit A-K hat man ja im Moment noch nichts, aber gute Chancen auf Top Pair.

Es müssen aber nicht immer Draws sein. In manchen Situation kann man mit dem zweitbesten Paar setzen, wenn man das Gefühl hat, dass kein anderer das Top Paar hat. Also zB hält man A-T und der Flop kommt Q-T-3. Auch ein Semi-Bluff, weil das Top Pair vorgetäuscht wird, im Moment aber die Hand dennoch stark genug sein kann.

Bluffen ist wirkungsvoll, wenn es zum richtigen Zeitpunkt gespielt wird. Nichts ist gefährlicher als an einem hitzigen Tisch zu bluffen. Und der Bluff dürfte wohl der einzige Spielzug sein, der gegen starke Spieler viel besser funktioniert als gegen schwache, weil diese nicht viel überlegen und schnell einmal callen.

 

 

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